geea-Dialog „Europäische Vorgaben als Treiber für mehr Sanierung und Aufschwung im Gebäudesektor?“

Mit der Verabschiedung der überarbeiteten Gebäude-Richtlinie (EPBD) hat die EU neue Leitplanken, insbesondere für die Sanierung des Gebäudebestands, geschaffen. Diese Vorgaben geben wichtige Impulse für den zukunftsfähigen Gebäudebestand. Daher sind sie von entscheidender Bedeutung für Fachleute aus der Bau- und Immobilienbranche, der Politik und der Forschung.

Kurz vor der Europawahl traten daher auf Initiative der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) rund 50 Akteure aus Politik und Wirtschaft am 4. Juni 2024 in Berlin in einen Dialog, der die aktuellen energie- und klimapolitischen Fragestellungen sowie marktwirtschaftliche Herausforderungen mit Blick auf den Gebäudebereich in Deutschland thematisierte.

Im Fokus der Diskussionen standen zum Beispiel folgende Fragen: Reichen die im Rahmen des Green Deal verabschiedeten EU-Vorgaben mit Gebäudebezug aus, um das Ziel „Fit for 55“ wirklich zu erreichen und bringen sie Europa auf Kurs Richtung Klimaneutralität? Was ist für die Umsetzung in Deutschland geplant, was wird in den Nachbarländern bereits praktiziert und was können wir daraus lernen? Welche Rolle spielen Themen wie One-Stop-Shops oder Datenbanken?

Durch die Veranstaltung führte Christian Stolte, Bereichsleiter Klimaneutrale Gebäude, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena). Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) und Sprecherin der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) skizzierte zu Beginn die aktuelle Situation des Gebäudesektors in Deutschland. Sie betonte, dass die bevorstehende Implementierung der EU-Vorgaben in nationales Recht eine komplexe Aufgabe sei, gleichzeitig beinhalte dies aber auch eine große Chance, sich in der nationalen Gesetzgebung klar für die Stärkung der Energieeffizienz auszusprechen und bisher ungenutzte Potentiale sichtbar zu machen.

Im Programm folgte ein digitaler Impuls aus Brüssel von Ana Maria Sanchez Infante, Country Coordinator in ENER for Germany and Austria, von der Europäischen Kommission. In ihrem Impuls „Green Deal Vorgaben für den Gebäudesektor (EPBD, EED, RED) und Perspektive für 2040“ referierte sie über die bestehenden Potenziale des europäischen Gebäudesektors und ging auf das die relevanten Rahmenvorschriften ein. Sie hielt fest: Die Eckpfeiler seien gesetzt, das nächste Mandat auf EU-Ebene müsse sich nun den Umsetzungsfragen widmen.

Im Rahmen zweier Podien diskutierten die Referierenden unter anderem die einleitend angeführten Fragen:

Podiumsdiskussion – Fokus Politik:

  • Elena Brosch-Pahlke, Referat II C 1 "Grundsatz Energie- und Klimaschutz im Gebäudesektor, Strategien und Gebäudetechnologien", Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK)
  • Robert Dijksterhuis, Special Envoy on Sustainable Building of the Dutch Ministry of the Interior and Kingdom Relations
  • Fabian Pause, Leiter Forschungsgebiet Europäisches und internationales Energie- und Klimaschutzrecht, Stiftung Umweltenergierecht

Podiumsdiskussion - Fokus Markt und Wirtschaft:

  • Carolin Friedemann, Geschäftsführerin u. Gründerin, Initiative Klimaneutrales Deutschland gUG
  • Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer, Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle e.V.
  • Michel Durieux, Hauptabteilungsleiter Unternehmensentwicklung, Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V. (ZDB)
  • Stefan Rinnert, Manager Government Affairs Germany, Schneider Electric GmbH

Im Mittelpunkt des Dialogs stand der Green Deal und die darin enthaltenen gebäuderelevanten Richtlinien. Deutlich wurde, dass auf Deutschland eine komplexe Aufgabe zukommen wird und die Umsetzung schnellstmöglich angestoßen werden muss. Der gemeinsame Austausch sollte einen Beitrag dazu leisten, mögliche Maßnahmen aufzuzeigen, die für die Umsetzung in Deutschland wesentlich sein können. Klar wurde, dass es nicht nur eine Lösung geben wird, um die Ziele zu erreichen: Man müsse sich einem ganzen Blumenstrauß an Maßnahmen in verschiedenen Feldern der Gebäude-Energieeffizienz annehmen und diese parallel verfolgen.


Programm

Präsentation


Impressionen von der Abendveranstaltung

Bilderquelle: dena/Claudius Pflug